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Lernräume

Die Zeiten, in denen ein Lernraum gleichbedeutend mit dem Klassenzimmer war, in dem schwere Tische und Stühle frontal auf eine einzige Tafel ausgerichtet sind, sind vorüber. Lernräume sind heute überall zu finden und können ganz unterschiedlich gestaltet sein. Weiter unten finden Sie Raumkonzepte für flexible Klassenräume, Selbstlernzentren, Lernetagen und – cluster, Förder- oder Differenzierungsräume.

Lernwelten gestalten –
Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Lernen haben wir auch Impulse aus dem Ausland aufgegriffen und diese in einem pädagogisch-didaktischen Konzept umgesetzt. Wir haben viel geschafft, werden aber nie am Ziel sein, denn die Welt verändert sich ständig, also muss auch eine Schule
bereit sein, sichweiterzuentwickeln. Wir haben mit einer Klasse begonnen, individualisiert zu arbeiten und haben dann Stück für Stück ausgeweitet – auch architektonisch. Heute gibt es für die Klassen 5 bis 10 jeweils eine Lernwelt, die gezielt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Altersstufe zugeschnitten ist. Man kann nicht alles auf einmal verändern, vielmehr ist es wichtig, Erfahrungen weiterzutragen und die Beteiligten zu begeistern. Unser Motto ist: Wir sollten die Kinder nicht länger schulgerecht, sondern die Schule kindgerecht machen.


Günther Schmalisch, Schulleiter, Albrecht-Ernst-
Gymnasium Oettingen

➔ Klassenraum für flexibles Lernen in der weiterführenden Schule

Ein modernes, zeitgemäßes Klassenzimmer ist mehr als nur vier Wände, Boden und Decke. Es ist der gesamte Raum, der Schüler wie Lehrer prägt, sie inspiriert und vor allem das Lernen unterstützt. Flexible Einrichtungslösungen stellen bei der Gestaltung der Lernräume die Menschen in den Vordergrund. Dies führt zu einer Verbesserung des Unterrichtsklimas und der Lernerfolge. Ein festes, schweres Mobiliar, das Schüler nur starr sitzen und nach vorne schauen lässt, steht da nur im Weg. Das Einrichtungskonzept set.upp bietet die Möglichkeit, den Unterrichtsraum immer wieder unterschiedlichen Lernsituationen anzupassen und unterstützt somit offene und differenzierte Lernformen. Die Stühle und Tische lassen sich einfach und schnell für einen klassischen Frontal- und Einzelunterricht anordnen, aber auch für Partner- oder Gruppenarbeiten. Ebenso mobil ist der Platz des Lehrers.

Gerade in der weiterführenden Schule können Schüler ihr Lernniveau sowie das individuelle Lernverhalten bereits gut einschätzen. Durch abwechslungsreiche Unterrichtsmodelle und dementsprechend flexible Lernumgebungen können sie ihren Stärken entsprechend lernen und so in jeder Unterrichtsstunde positive Lernerfahrungen erzielen.

Frontalunterricht: Klassische Inputphase

Der Schülertisch quattrino lässt sich im Raum ganz unterschiedlich anordnen und wird so zum Einzel- aber auch Gruppenarbeitsplatz. Stühle und Tische sind auch in höhenverstellbaren Ausführungen erhältlich. Die set.upp-Polsterelemente trennen in Kombination mit Regalschränken eine separate Ecke für entspannte Gespräche und gemeinsames Lernen ab. Auf der modernen HybridTafel können Lehrkräfte klassische Tafelflächen oder Whiteboards (links und rechts) beschreiben. Das große Display in der Mitte zeigt digitale Inhalte, die von bis zu 8 Geräten gleichzeitig übertragen werden können.

Partnerarbeit:

Je nach Arbeitsweise und Aufgabe können die Tische an der Längs- oder Querseite zusammengestellt werden.

Gruppenarbeit:

Verschiedene Tischanordnungen ermöglichen unterschiedliche Gruppengrößen und die Nutzung aller Tafeln

Präsentation und Wissensaufnahme:

Die u-förmige Anordnung der Tische ist für Wissens- oder Methodeninput durch den Lehrer oder in Präsentationssituationen geeignet.

➔ Klassenraum für flexibles Lernen in der Grundschule

Schon Grundschülern kommt eine flexible Raumgestaltung zu Gute. Denn sie können sich oft noch nicht so lang konzentrieren und profitieren viel von verschiedenen Unterrichtsformen. Der Wechsel zwischen Präsentationsphasen, Stationenlernen, Gruppen- oder Partnerarbeit bringt Abwechlung ins Lernen und erlaubt dem Lehrer, auf die individuellen Lernniveaus einzelner einzugehen. Vorraussetzung ist, dass die Kinder ihre Klassenräume selbst umgestalten können. Dementsprechend leicht und durchdacht müssen Stühle und Tische, aber auch Materialwagen und Tafelsysteme sein.

Frontalunterricht

Dreieckstische lassen sich schnell zu Einzelarbeitsplätzen oder unterschiedlich großen Gruppenarbeitsplätzen zusammenschieben. Sie bieten Platz für alle relevanten Materialien und bringen die Schüler dazu, abzuwägen, was wirklich auf dem Tisch gebraucht wird. So lernen sie, an ihrem Arbeitsplatz Ordnung zu halten. Schränke mit Arbeitsmaterialien können nach Bedarf an den Wänden oder für jeden schnell zugänglich zwischen den Tischen platziert werden.

➔ Klassenraum für jahrgangsübergreifendes Lernen

Jahrgangsübergreifendes Lernen hat Konjunktur, in Deutschland wie international. Immer mehr Schulen machen sich auf den Weg hin zur Jahrgangsmischung, sodass die Anzahl der Kinder, die innerhalb einer heterogenen Altersgruppe lernen, konstant wächst. Jahrgangsübergreifender Unterricht benötigt allerdings ein durchdachtes Raumkonzept, das den Lehrer in seiner pädagogischen Aufgabe unterstützt. Dabei ist eine Zonierung des Raums von zentraler Bedeutung. Für gleichberechtigtes Lernen brauchen Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen passende Rahmenbedingungen:
Mit Tischen in Erwachsenenhöhe und kiboo-Luftpolsterstühlen mit individuell einstellbaren Fußrasten begegnen sich Schüler und Lehrer mit unterschiedlicher Körpergröße immer auf Augenhöhe. Die Sitzschalen in zwei Größen sorgen dafür, dass alle Kinder bequem sitzen können. Bei einer einheitlichen Tischgröße können so große wie kleine Schüler entspannt lernen. Unterschiedlich hohe Polsterhocker bieten in der Mitte des Raums jedem Schüler einen flexiblen Sitzplatz.

Die Polsterhocker sind Allroundtalente. Sie können überall eingesetzt werden: als alternative Sitzgelegenheit im Klassenraum, kombiniert zu Liegelandschaften und sogar als Bausteine.

➔ Selbstlernzentrum mit individualisierten Arbeitsplätzen

Individualisiertes Lernen ist immer mehr in das Zentrum der pädagogischen Diskussion gerückt. Individualisierte Lernsoftware wird in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen und diese Anforderung unterstützen. Denn mittlerweile ist klar, wie verschieden die Lernwege und -strukturen von Schülerinnen und Schülern in einer vermeintlich homogenen Klasse sind. Wenn sich Unterricht auf nur einen bestimmten Lernweg fokussiert, kann es nicht gelingen, allen Schülern in ihren eigenen Talenten und Lernmethoden gerecht zu werden.

Pädagogischer Anspruch

Um den pädagogischen Anspruch nach individualisiertem Lernen räumlich zu unterstützen, ist die Bereitstellung von personalisierten Arbeitsplätzen sinnvoll. Ein solches Selbstlernzentrum kann je nach pädagogisch-räumlichen Konzept klassenbezogen, klassenübergreifend oder auch jahrgangsübergreifend eingerichtet werden. Neben einem fest zugewiesenen Schreibtisch benötigen Schüler an ihrem persönlichem Arbeitsplatz Ablageflächen für ihre Arbeitsmaterialien, fest installierte PCs oder mobile Endgeräte, um auch digital zu lernen, und natürlich einen auf ihre Körpergröße abgestimmten Stuhl. Trennwände sorgen für die notwendige akustische und optische Abschirmung.

➔ Selbstlernzentrum für bis zu 24 Schüler

Selbstlernzentren sind Räume, die zum selbstständigen Wissenserwerb, als Unterrichtsort und Kommunikationsbereich dienen. Deswegen ist es wichtig, dass in der Raumplanung sowohl Einzelarbeitsplätze als auch größere Tische für Gruppenarbeiten vorgesehen sind. Nur so können die zentralen Ziele eines Selbstlernzentrums erreicht werden:

  • die Förderung eines selbstgesteuerten und eigenverantwortlichen Lernverhaltens aller Schülerinnen und Schüler
  • eine Verbesserung der individuellen Fördermöglichkeiten von lernschwächeren oder überdurchschnittlich begabten Kindern
  • Vermittlung von Medienkompetenz durch das Bereitstellen von digitalen und analogen Medien, die einen selbstgesteuerten Lernprozess unterstützen

Vermittlung von Medienkompetenz

Um den verschiedenen Nutzungsarten eines Selbstlernzentrums gerecht zu werden, sind Stellwände sinnvoll, die den Raum gliedern und außerdem als Präsentationsfläche dienen. Flexibel stellbare Tische ermöglichen eine schnelle Umstrukturierung, je nach Arbeitssituation.

Im set.upp-Lernjobwagen hat alles seine Ordnung: Die farbigen Boxen ermöglichen eine genaue Zuordnung der Unterrichtsmaterialien zu einem Schulfach oder Schüler.

➔ Selbstlernzentrum für bis zu 42 Schüler

Selbstlernzentren bieten sich auch für klassenübergreifende Lernsituationen an. Durch eine sinnvolle Zonierung des Raums kann die eine Hälfte der Gruppe in konzentrierter Einzelarbeit Hausaufgaben erledigen oder Unterrichtsstunden vor- bzw. nachbereiten. Eine Lehrkraft findet am höhenverstellbaren Lehrertisch Platz und kann diese Anordnung gegebenenfalls auch für eine Unterrichtseinheit nutzen. Multifunktional nutzbare Tafelsysteme an den Wänden lassen sich dann gezielt einsetzen.

In der anderen Hälfte des Raums können sich Schülerinnen und Schüler klassen- und jahrgangsstufenübergreifend zusammenfinden und Fach- oder Projektarbeiten, Referate oder Übungsaufgaben bearbeiten.

Der Raum bietet ausreichend Stauraum für verschiedene Lehr- und Lernmaterialien und Medien aller Art. Eine geeignete Auswahl an Büchern, Zeitschriften und fremdsprachiger Literatur lädt Kinder zur Stärkung ihrer Lesekompetenz und Allgemeinbildung ein. Die gleichzeitige Verfügbarkeit von digitalen Endgeräten wie PCs, Notebooks oder Tablets fördert einen kritischen Umgang mit allen Medienformen und stärkt die Selbstverantwortung der Kinder.

Dieser Raum wurde mit Möbeln aus dem Einrichtungskonzept set.upp ausgestattet

Die Auswahl an Modellen, Größen und Farben eröffnet Schulen individuelle Gestaltungsfreiräume. Die Formensprache des Einrichtungskonzepts set.upp ist zeitlos und modern. Das Mobiliar wirkt geradlinig, sachlich und ruhig – und erfüllt alle Anforderungen der Schule. Unser optisches Highlight: Die innovativen set.upp-Möbel sind nur echt mit der individuellen Farbkante. Diese findet sich in allen Produkten wieder und kann frei gewählt werden, passend zum jeweiligen Farbkonzept. Die Farb- und Formensprache lässt sich in der gesamten Inneneinrichtung der Schule verwirklichen und schafft ein schlüssiges, psychologisch fundiertes Konzept für den gesamten Schulkomplex.

Mehr auf set.upp – Schule im Wandel ➔

➔ Förderraum für die Grundschule

Individuelle Förderung im Unterricht ist in vielfältiger Art und Weise umsetzbar. Verschiedene Lerngruppen können zum Beispiel nebeneinander auf ganz unterschiedliche Art und Weise den Lernstoff bearbeiten. Dabei haben traditionelle Methoden und Instrumente neben neuen pädagogischen Konzepten ihren Stellenwert. Am besten gelingt differenzierte Förderung, wenn den Lehrern dafür verschiedene Räume zu Verfügung stehen. Der Förderraum kann genauso für Gruppenarbeit als auch für eine Eins-zu-eins-Betreuung durch Förderlehrkräfte oder Sonderpädagogen genutzt werden.

Die Schränke bieten ausreichend Platz für Lehr- und Fördermaterial aus unterschiedlichen Fachrichtungen. An den Wandschienen lassen sich Tafeln, Whiteboards oder Pinnwände flexibel befestigen – je nach Nutzungsart und Schüler(gruppe). Variabel stellbare Tische und ergonomisch geformte Stühle mit einstellbaren Fußrasten ermöglichen auch bei unterschiedlich großen Kindern ein Zusammenarbeiten auf Augenhöhe. Ein mobiler Lernjobwagen bringt die Lernmaterialien der Kinder in direkte Reichweite. Und in der bequemen Sitznische lässt es sich besonders gut aushalten: Im Liegen oder Sitzen kann hier entspannt gelesen oder gelernt werden.

➔ Differenzierungsraum für die weiterführende Schule

Ein schneller Wechsel zwischen Frontalunterricht, Gruppenarbeit und Einzelarbeit benötigt entsprechend ausgestattete Räume und das richtige Mobiliar. Im Differenzierungsraum werden deswegen klassische Stühle und Arbeitstische mit Polstermöbeln und Stehtischen für effektive Zusammenarbeit gemischt. Die Tische können von Lehrern und Schülern jederzeit neu angeordnet werden, wenn sich Gruppengrößen verkleinern oder vergrößern. Klassische Kreidetafeln, Whiteboards und Pinnwände können je nach Bedarf an den Wandschienen platziert werden. Außerdem braucht ein erfolgreicher, differenzierter Unterricht eine gute Organisation. Deswegen können mobile Lernjobwägen von einem Arbeitbereich in den nächsten geschoben werden, sodass die einzelnen Gruppen ohne Ablenkung auch mit verschiedenen Medien arbeiten können.

Der Differenzierungsraum kann ebenso als fachspezifischer Förderraum genutzt werden, beispielsweise für den Fachbereich Deutsch zur gezielten Förderung von Kindern, die Deutsch als Fremdsprache erlernen. Die Wandschränke bieten genügend Stauraum für die dazu benötigten Lehr- und Lernmaterialien.

Bequem und multifunktional:

Die stabilen set.upp-Polsterelemente sind für den Schulalltag gemacht. Alleine, in Kombination oder gemeinsam mit den set.upp-Sofas bereichern sie jeden Raum. Mehr auf set.upp – Schule im Wandel ➔

➔ Lernraum Flur

Die Flure sind zusammen mit dem Foyer das Aushängeschild der Schule. Gerade im Zuge des Ganztagsschulbetriebs bieten sich hier zusätzliche, wertvolle Platzkapazitäten. Der Flur wird so von einem pädagogisch ungenutzten Durchgangsraum zum Treffpunkt, Kommunikationszentrum und Lernraum. Gleichzeitig sind Flure in der Regel auch Fluchtwege,an die erhöhte Brandschutzanforderungen gestellt werden. Die als nicht brennbar zertifizierten Flurmöbel überzeugen sowohl funktional als auch qualitativ. Sie können fest in den Wänden oder Böden verankert werden. So bleiben die Fluchtwege frei und die Schule wird ein Stück sicherer – auch im Ernstfall.
Mehr Informationen zu Thema Brandschutz

set.upp-Cubes:

Die set.upp-Cubes sind wahre Multitalente: Lernraum, Sitzplatz in der Pause , Besprechungsort oder Arbeitsplatz für Lehrkräfte.

➔ Lernetage zum selbstgesteuerten Lernen ohne Türen

Qualitativ hochwertige Bildung benötigt innovative Konzepte. Es gilt, neue pädagogische und organisatorische Anforderungen in den Bau von Schulen zu integrieren und somit individuelle Lernprozesse zu unterstützen. Verschiedene Schulentwicklungs-gremien empfehlen aus diesen Gründen die Bildung von Clustern. In einem Cluster werden mehrere Klassenräume zu einem offenen Bereich zusammengeschlossen. Die Mitte wird als Marktplatz integriert und genauso als Lernraum genutzt, wie die einzelnen Räume. So kann offenes Lernen gelebt werden: An Tischen auf dem Marktplatz arbeiten Schüler gemeinsam am Wochenlernplan, in Schülerbüros an individuellen Aufgaben, während in Input-Räumen ganz klassisch Wissen vermittelt wird. Besonders offen kann eine Lernetage gestaltet werden, wenn auf Türen verzichtet wird. Dafür ist ein ganzheitliches, raumakustisches Konzept nötig. Damit wird offenes Lernen und Flexibilität gewährleistet, während zugleich konzentriertes Arbeiten möglich ist. So kann moderne Pädagogik gelebt werden.

Drei Fragen an Karin Doberer, Schulentwicklungsplanerin:

Karin Doberer,
Gründerin und Geschäfts-
führerin von LernLandSchaft

Mit Ihrem Unternehmen LernLandSchaft begleiten Sie Schulen als pädagogische Fachberatung bei Bau- und Planungsprozessen. Was ist dabei Ihre Vision?
Selbstständiges Denken, eine Stärkung der Eigenmotivation und Selbstlernfähigkeiten sind zentrale Ziele der neuen Lehr- und Bildungspläne. Dafür braucht es aber geeignete Lernräume, die Kindern und Jugendlichen ein Umfeld für konstruktive Lernerfahrungen geben können. Das Team von LernLandSchaft schafft gemeinsam mit allen Beteiligten Lernorte, die „Ermöglichungsräume“ sind. Wir unterstützen dabei, die gestalterische Idee, pädagogische Arbeitsweisen und den oft engen finanziellen Rahmen auszubalancieren und begleiten den Prozess mit viel Mut und Konsequenz – von den ersten bürokratischen Hürden über die Grundrisspläne bis zur Einweihung.

Was ist die große Herausforderung bei dieser Arbeit?
Pädagogische Ansprüche umgesetzt in multifunktionalen Räumen – das ist definitiv eine große Herausforderung! Denn kein Schulbau ist wie der andere, eine Lösung für alle gibt es nicht. Mit der gestalterischen Hoheit der Architekten heißt es, für die jeweilige Bildungssituation vor Ort eine neue, optimierte Gebäudelösung zu finden. Damit die Umsetzung zur Zufriedenheit aller gelingt, unterstützen unsere Fachplaner und Spezialisten beim „Übersetzen“ von pädagogischer Sprache in Architektur – und umgekehrt. Außerdem müssen wir sicherstellen, dass die Investitionen ins Gebäude dem pädagogischen Schulentwicklungsprozess dienen und nicht im Wege stehen. Dabei ist die kontinuierliche Synchronisation zwischen pädagogischem Bedarf und bautechnischer Machbarkeit unerlässlich. Wir sprechen hier von der Leistungsphase Plus.

Wie begegnen Sie den großen Unsicherheiten und Bedenken, die mit der Veränderung bestehender Lern- und Raumstrukturen einhergehen?
Wir binden in verschiedenen Workshops alle Beteiligten in den Prozess ein. Das gelingt, wenn jeder in seinen Interessen wahrgenommen wird und Anregungen oder Bedürfnisse gesammelt, ernst genommen und daraufhin gemeinsam in konstruktive Lösungen umgewandelt werden. Als neutraler Ansprechpartner haben wir einen frischen Blick auf die Situation und entdecken aufgrund unserer Erfahrung oftmals interessante Lösungen. Diese Visionen tragen wir mit Begeisterung an die Pädagogen weiter. Letztendlich sitzen wir alle in einem Boot und können nur gemeinsam Erfolg haben.

➔ Lernetage für jahrgangsübergreifendes Lernen

Die Zukunft des Schulbaus wendet sich von der klassischen Flurschule ab und hin zu verschiedenen Alternativen, die vielfältige Nutzungsmöglichkeiten der Räume erlauben. Eine Lernetage mit Jahrgangsstufen-Clustern ist ein Beispiel für eine solche Alternative. Ein einzelnes Cluster als Zusammenschluss aus verschiedenenen Unterrichtsräumen und einer gemeinsamen, multifunktionalen Mitte ist dann fest definierten Jahrgangsstufen (z. B. 1/2 oder 3 /4) zugeordnet. Zwischen den Clustern befinden sich gemeinschaftlich genutzte Räume wie die Aula, Verwaltungsräume oder das Lehrerzimmer.
Innerhalb eines Clusters geben die Klassenräume den sozialen Einheiten der einzelnen Klassen ein Zuhause. Zeitgleich sorgen große Sichtfenster für ausreichend Transparenz zum Marktplatz. Die Klassenräume sind flexibel nutzbar, sodass bei Bedarf auch thematisch gruppierte Projektarbeit für alle Schüler des Clusters ermöglicht wird.

Der Marktplatz fungiert als pädagogisch nutzbare Lernfläche und hat nichts mit den Fluren eines konventionell geplanten Schulgebäudes gemeinsam. Er ist das Zentrum der Schüleraktivitäten innerhalb des Clusters und mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten, Tischen oder Leselandschaften ausgestattet.

Die Einrichtung des Marktplatzes ermöglicht eine multifunktionale Nutzung: Selbstständiges Lernen, Partnerarbeit, Lernen in Kleingruppen oder Präsentieren und Diskutieren als gesamte Jahrgangsstufe.

Drei Fragen an Andrea Torggler, Schulleiterin Grundschule Wörthsee:

Andrea Torggler,
Schulleiterin der
Grundschule Wörthsee

Frau Torggler, wie gehen Ihre Schüler mit den Jahrgangsstufen-Clustern und dem dazugehörigen Marktplatz um?
Die Kinder haben die Raumsituation nach dem Umbau gleich sehr gut angenommen und viele unserer anfänglichen Sorgen, beispielsweise ob sie sich nicht gegenseitig vermehrt ablenken, waren grundlos. Der Marktplatz war für die Kin-
der sofort eine ganz natürliche Erweiterung des Klassenraums und ein neuer Lernraum, den sie gleich als Treffpunkt mit Arbeitscharakter wahrgenommen haben. Wir konnten schnell eine große Hilfsbereitschaft zwischen den Kindern beobachten, die es vorher so nicht gab. Außerdem lernten sich die Schüler eines Clusters näher kennen und wir haben über den Klassenverbund hinaus sehr viel weniger soziale Probleme.

Wie hat die Raumstruktur den Unterricht und die Methodik beeinflusst?
Zwischen den Kolleginnen findet nun eine sehr enge Zusammenarbeit statt. Wir arbeiten nicht nur in einer Jahrgangsstufe, sondern auch in einem Jahrgangsstufen-Cluster komplett parallel. Dadurch entstehen neue Differenzierungsmöglichkeiten, in denen uns die Raumaufteilung wunderbar unterstützt. Zum Beispiel das Thema Geld: Wir können in einem Raum Münzen und Geldscheine kennenlernen, im nächsten Raum anfangen mit Geld zu rechnen und im dritten Raum das Rechnen auf eine höhere Anforderungsstufe bringen. So ist es möglich, das Cluster nach Lernniveau zu strukturieren. Auf dem Marktplatz treffen sich alle gemeinsam, es wird erklärt, welcher Raum wofür genutzt wird und anschließend schaffen es die Kinder ganz wunderbar, ihr eigenes Niveau einzuschätzen und sich dementsprechend aufzuteilen.

Welche Ratschläge geben Sie anderen Schulen, die sich räumlich verändern möchten?
Ich glaube es ist wichtig, den Mut zu haben neue Wege zu gehen. Da kann es passieren, dass man auf der Hälfte des Weges nachjustieren muss, den eingeschlagenen Pfad anpasst, sich Fehler eingesteht und aus ihnen lernt. Außerdem ist es notwendig, das ganze Kollegium auf diesem Weg mitzunehmen. Schulentwicklung ist da ein zentraler Punkt für alle Beteiligeten, Teamarbeit sollte auf jeden Fall fokussiert werden. Man kann keine Schulgemeinschaft einfach in neuen Räumen unterbringen und erwarten, dass alles sofort funktioniert. Es ist ein Weg, der Zeit braucht. Nur so können äußere Bedingungen ihre Wirkung entfalten.

➔ Lernlandschaften die analoges und digitales Lernen verbinden

Das Konzept der Lernlandschaften nimmt Abstand vom herkömmlichen Unterricht, der sich von der ersten bis zur letzten Minute im Klassenzimmer abspielt. Die räumliche Gestaltung der Schule wird so verändert, dass die pädagogischen Vorgaben eines selbständigen, eigenverantwortlichen und schülerzentrierten Lernens möglichst optimal umgesetzt werden können.

Die Schüler und ihre Lehrer können dann in einer, auf ihre Anforderungen abgestimmten, Lernumgebung lernen und arbeiten. Eine Lernlandschaft sollte von Offenheit und Transparenz geprägt sein. Denn Lernen findet eben nicht mehr hinter verschlossenen Türen statt, sondern lädt zur Begegnung, zum Gespräch und Austausch miteinander ein. Auch die Präsentation dessen, was gelernt wurde, und das Lernen voneinander wird durch Lernlandschaften unterstützt.

Starre, altmodische Schultafeln und frontal stehende Lehrerpulte sind in einer Lernlandschaft, die auch das Lernen mit und über digitale Medien ermöglicht, verschwunden. Stattdessen ist die Anordnung der Plätze dank kleiner Tische, die beliebig aneinander gestellt werden können, flexibel. Die Räume lassen sich vom Gang aus einsehen. Die Lehrer wechseln innerhalb der gesamten Lernumgebung und sind jederzeit für alle Schülerinnen und Schüler ansprechbar.

Drei Fragen an Christian Heinz, stellv. Schulleiter Albrecht-Ernst-Gymnasium Oettingen:

Christian Heinz, stellv. Schulleiter am Albrecht-Ernst-Gymnasium

Am Albrecht-Ernst-Gymnasium hat jeder Jahrgang die Möglichkeit, in einer eigenen Lernlandschaft zu lernen. Welche Kompetenzen und Fähigkeiten können dadurch gestärkt werden?
Die Voraussetzungen für das Funktionieren unserer Lernlandschaften sind in erster Linie klare Regeln und Strukturen für die Freiarbeit. Außerdem übernehmen die Schüler volle Verantwortung für ihren eigenen Lernbereich, die Materialien und Geräte. Das stärkt die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, sowie viele Sozialkompetenzen, wie Teamarbeit, Konflikt- und Problemlösungsfähigkeit und Rücksichtnahme. Nebenbei lernen die Schüler sich selbst und andere zu organisieren, ihre Zeit zu planen und die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen.

Inwiefern fördern die Lernlandschaften das Lernen mit und über digitale Medien?
Jede unserer Lernlandschaften ist mit einem Set iPads ausgestattet, in den höheren Jahrgängen wird auch mit MacBooks gearbeitet. In einer solchen Lernumgebung können Schüler alleine oder in Gruppen an eigens gewählten Plätzen im Klassenzimmer oder auf dem Marktplatz digital und analog lernen. Der Lehrer ist in diesen Phasen als Berater und Lernbegleiter tätig. Wir nutzen den Marktplatz häufig für eine Gruppenaufteilung im projektorientierten Unterricht, sodass man gleichzeitig Audioaufnahmen machen kann, ohne andere zu stören. Es werden auch E-Books, digitale Portfolios, Lehr- oder Lernvideos erstellt. Unsere Schüler werden so zu den Produzenten ihrer eigenen Lernprodukte.

Wie profitieren die Lehrer in ihrer täglichen Arbeit von den Lernlandschaften?
Es ist uns viel besser möglich, offenen und differenzierten Unterricht durchzuführen. Durch die flexible Nutzung der Lernlandschaften sind Individual- und Partner-, aber auch Gruppen- und Projektarbeiten leichter zu organisieren. Ich kann dann einzelne Schüler oder Gruppen intensiv betreuen, ohne andere zu stören. So ist es einfacher, den Lernenden ein klares Feedback zu geben. Meiner Aufsichtspflicht kann ich aufgrund der großen Fenster zwischen den Räumen ohne Probleme nachkommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Lernlandschaften das Verhältnis zwischen den Schülern und uns Lehrern sehr positiv beeinflussen.

➔ Der Marktplatz als gemeinsames Zentrum

Ein Marktplatz ist der Mittelpunkt einer offenen Raumstruktur in Form von Lernlandschaften oder Clustern. Diese Fläche wird für unterschiedlichste Zwecke genutzt:

  • Eigenständiges Lernen innerhalb offener Unterrichtskonzepte
    Klassen, Schülergruppen oder einzelne Schüler können die Fläche des Marktplatzes nutzen, um
    in eigenen Tempo und am selbstgewählten Ort zu
    lernen. Das kann am Tisch sein, am PC, der auf
    dem Wandboard steht, oder in der Polsterecke.
  • Unterrichten in einer offenen Fläche
    Oft benötigen Lehrer eine andere Umgebung als das
    gewohnte Klassenzimmer, um neue Ideen und Un- terrichtskonzepte umzusetzen. Hierfür bietet sich
    die flexibel nutzbare Fläche des Marktplatzes an. Die verschiedenen Bereiche können auch für regel-
    mäßig wiederkehrende Einheiten wie Lesezirkel, Präsentationen oder Stationenarbeit genutzt werden
  • Aufführungen, Präsentationen und Veranstaltungen
    Durch ein multifunktionales und flexibles Bühnen-
    system bietet sich der Marktplatz als Veranstaltungs-
    ort an. Ob klassenintern, jahrgangsübergreifend oder mit externen Teilnehmern: Hier finden verschie-
    dene Events des Schulalltags statt.

Um eine gleichzeitige Nutzung des Raums durch mehrere Schülergruppen zu gewährleisten, ist eine flexible Zonierung sinnvoll. Dafür bieten sich Trennwände, Schränke und abgeschirmte Sitzgelegenheiten an. Schallschutzelemente an der Decke sorgen für eine gute Raum- und Arbeits-
mosphäre. Mehr Informationen zum Schallschutz➔